HISTORIE

Ein kurzer Abriss zur Geschichte dieser Stadtoase

 

Nach dem Abriss des alten Gaswerkes, wurde das Areal 1985, im Zuge der Fertigstellung und Besiedelung der Wohnanlagen im "Ernst Thälmann Park", der Bevölkerung übergeben.

Es war als „Alpen – Rosengarten“, konzipiert und umfasste, über die Einzäunungen hinaus, den gesamten heutigen Baumbestand.

Es wurden seltene, zum Teil exotische Pflanzen dort angesiedelt, die noch heute, 30 Jahre später, in voller Pracht zu bewundern sind. So zum Beispiel vier Mammutbäume, drei Ginkobäume,verschiedene Bambusarten, Rhododendren, Farne, seltene Blumen, Schlingpflanzen und Grasarten. Leider erwies sich die damalige Bepflanzung als zu dicht und viele Arten konnten sich wegen Lichtmangels nicht weiter entwickeln.

Das Gelände untersteht dem Grünflächen Amt Pankow.

Seit seiner Übergabe, bis in die jüngste Vergangenheit, passierte es, dass der kleine See mehrere male „umkippte“. Das heißt, der Fäulnisanteil und die dazugehörigen Bakterien brachten das Wasser dazu, sich binnen weniger Stunden, grau bis gelb zu färben und penetrant nach faulen Eiern, nach Schwefelwasserstoff, zu stinken. Das war jedes mal das AUS, für alles Leben unter der Wasseroberfläche. Grund dafür waren die unendlichen und angeblich gut gemeinten Entenfütterungen. Ganze Beutel voll Brot, Keksen, Waffeln und sogar Torten landeten im Wasser. Es sei hier festgehalten, dass die Enten nicht zum Teich fliegen weil sie hier gefüttert werden, sondern weil sie hier im Teich und drum herum genug Futter finden.

Mein Opa sagte immer:

„Salz und Brot, des Vogels Tod“. Und da hatte er recht.

Die Entenfütterung führt, neben der Wasserverunreinigung, auch noch zur Veränderung des Geschlechterverhältnisses der Vögel.

Es werden, durch Hormone in Brot und Gebäck, mehr männliche Vögel schlüpfen, die dann zur Partnersuche, manchmal zu fünft oder mehr, ein Weibchen bedrängen und sogar ertränken.Und noch einen weiteren Effekt zeigt das viele Entenfutter.

Durch die übermäßige Fütterung haben sich auch eine Menge Ratten am Teich niedergelassen, die dann wiederum über die Enten Nester, ihre Kücken und die Amphibien herfallen.

 

Noch etwas sehr wichtiges. 

Dieser Teich ist ein künstliches Gewässer. Er hat weder Zu- noch Abfluss. Das Wasser befindet sich ungefiltert im Kreislauf.

Es wird an der Ostseite, (steile Mauer), angepumpt und an der Südseite, über den Wasserfall mit Sauerstoff versorgt und wieder eingeleitet.

Was sich einmal in diesem Kreislauf befindet kommt nicht wieder heraus. Das betrifft sowohl Nahrungsmittel, als auch Stökker, Äste, Flaschen und Steine.

Der Teichgrund muss einmal im Jahr, per Hand und Schleppnetz vom eingefallenen Laub und Verunreinigungen befreit werden. Es erschwert die Arbeit im kalten Wasser ungemein, wenn sich Hindernisse, wie Scherben, Äste und Steine in den Weg stellen und sich im Netz verfangen.

Viele Eltern sagen: „mein Gott, das eine Kind und der eine Stein“. Aber zehn Kinder sind mindestens zwanzig Stökkersteine. Oder?

Wie oben schon erwähnt, untersteht das gesamte Areal dem Grünflächen Amt Pankow.

Im Jahre 2008, nach dem letzten "Umkippen" und Ablassen des Wassers, beschloss das Grünflächen Amt, den Kiezteich zuzuschütten und damit verschwinden zu lassen. Begründet wurde diese Aktion mit fehlendem Personal, zu großem Pflegeaufwand und Einsparungszwängen.

Diese Entscheidung stieß auf den Protest von Anwohnern und seit dieser Zeit wird der Kiezteich von drei Anwohnern/innen gepflegt und unterhalten. Er wurde neu renaturiert, mit Frischwasser aufgefüllt und mit neuem Fisch- und Pflanzenbesatz ausgestattet.

 

Das Leben in und am Teich sollte aber neu beginnen.

Mit erläuternden Schildern und vielen Gesprächen, klärten wir, über den Irrsinn des Füttern's auf und hatten mehr und mehr Erfolge.

Leider wurde das Badebedürfnis vieler Hunde im Teich gestillt. Die Ufer waren regelrecht abgelaufen, kahl und verödet.

Einige Zäune waren durchbrochen, sodass sich kein Uferleben für Amphibien ermöglichte.

Nach nervenden, täglichen Diskussionen und Fastschlägereien mit Hundehaltern, eröffneten wir das erste Berliner Hundefreibad.

Das war ein Superschachzug, denn der,

„HUNDEPOOL am WASSERFALL,

für FELL und FKK", wurde glänzend angenommen. Nun konnten Ufer - Begrünungen angelegt werden, sich entwickeln und neuen Lebensraum liefern.

 

Von Anbeginn und erster Befüllung, im Jahre 1985, war der Teich undicht und verlor, langsam aber sicher, immer etwas Wasser.

Zum Anderen wurden die Bäume größer, die Wurzeln drangen ein und bedienten sich immer mehr. Diese Wasserwurzeln müssen auch einmal im Jahr gestutzt werden.

Der Teich muss wegen des Wasserverlustes, ein bis zweimal im Jahr, aufgefüllt werden. Den Tiefbrunnen, direkt unter dem Teich anzuzapfen wäre logistisch und preislich die einfachste Variante, aber der ist angeblich von Altlasten des Gaswerkes kontaminiert.

Deshalb müssen die Wasserauffüllungen, mit teurem Leitungswasser, über eine 250m lange Schlauchstrecke realisiert werden.

 

2010 teilte das Grünflächen Amt mit, dass es die alte Holzbrücke mit Stahlunterbau, durch eine neue Brücke ersetzen wolle.

Die alte wäre angeblich marode und eine große Gefahrenstelle.

Die alte und "marode" Brücke hätte damals für ca. 6.000,00 EUR, z.Bsp. als Zimmermanns Lehrlingsobjekt, aus Holz, rekonstruiert werden können, aber wurde nun durch ein Stahlmonstrum für schlappe 80.000,00 EUR ersetzt. Die Wogen schlugen damals bis zum Bundesrechnungshof, der sich auch zu dieser Verschwendung äußerte.

 

 

 

Weder die vielen Protestunterschriften noch Zeitungs, – und Fernsehbeiträge halfen den Bau zu stoppen. Keine Partei bot Unterstützung oder Hilfe an. Aber des Unsinns nicht genug.

Zwei Monate nach dem Bau der teuren Brücke verkündete das Amt, allen Ernstes, dass es jetzt kein Geld mehr für die Wasserkosten hätte und unsern Kiezteich langsam versickern lassen wolle.

Es hätte sich nun eine stinkende Kloake entwickelt, über die eine 80.000,00 EUR Brücke führt.

Das alles ähnelte einem Schildbürgerstreich und war von keinem klar denkendem Menschen mehr nachzuvollziehen.

 

Um den Teich weiter zu erhalten, waren wir nun gezwungen, die nicht unerheblichen Kosten, für das Wasser aufzubringen.

Da diese ganzen Amtsaktionen, die gar nicht erklärt werden konnten, bei sehr vielen Anwohnern Empörung und Widerspruch auslösten, versuchten wir, diese um Unterstützung zu bitten.

Und das klappt bis heute. Einmal im Jahr gehen wir von Haustür zu Haustür und sammeln für den Teich. Jeder gibt soviel, wie ihm der Kiezteich, für sein Wohnumfeld, wert ist oder soviel er geben will oder eben gerade geben kann.

Jeder hat somit eine Aktie an dieser Stadtoase.

Und das Schönste ist, die Menschen verteidigen Ihren wunderschönen Kiezteich und passen darauf auf. Nicht zuletzt, weil es auch ihr Teich geworden ist.

Die kleine Oase wurde wieder zum Kommunikationszentrum für viele Menschen.

Das Spendengeld wird für Wasser, Schläuche, Fische, Pflanzen, Kescher, Netze etc. eingesetzt. Wir haben auch ein Spendenkonto eingerichtet, auf welches ebenfalls gespendet werden kann.

Wir würden uns darüber sehr, sehr freuen. Herzlichen Dank.

 

Spendenkonto

Berliner Sparkasse

BIC: BELADEBEXXX     

IBAN:DE47 1005 0000 1060 9764 78 

Stichwort: "Kiezteich"

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© Volker Herold